Trauma ist nicht das Ereignis, sondern der Umgang des Organismus mit dem Ereignis – d.h. ein Trauma ist (unverarbeitete) Hochstresserfahrung, die nicht „verarbeitet“ werden konnte.
Wenn ein Ereignis die Verarbeitungsmöglichkeiten des Organismus übersteigt, kann es in der Folge zu Krankheits-Symptomen kommen.
In der traumatischen Situation erfolgt unter Extremstress eine Fragmentierung der Wahrnehmung für alle Wahrnehmungsbereiche
Und eine mehr oder weniger starke Veränderung/ Vernebelung des Bewusstseins und des Körperempfindens (Schreckphysiologie).
In der Regel werden Erlebnisse ins biographische Gedächtnis eingeordnet, ein Trauma führt zu einer Fragmentierung des Erlebten, dadurch kann es nicht ins biographische Gedächtnis eingearbeitet werden – d.h. ein Trauma ist eine blockierte Informationsverarbeitung.
Trigger-Erlebnisse wirken wie „Schlüssel“, die Erlebnisfragmente plötzlich ins Gedächtnis bringen können, oder das ganze Erlebnis wieder auslösen können, in einer Art und Weise, als würde es gerade jetzt ablaufen – man spricht dann von einem Flashback oder einer Intrusion.
Das Ziel ist die Ereignisse in einen Bedeutungskontext zu bringen, damit eine kortikale Verarbeitung möglich wird.
Phase 1: Orientierungsphase
Phase 2: Stabilisierung und Ressourcenaufbau
Phase 3: Trauma Konfrontation und Trauma Synthese
Phase 4: Integration und Neuorientierung
Trauma-Physiologie: Extremstress kann die Einbindung des Sprachzentrums für das traumatische Erleben reduzieren, daher können verbale Methoden „nur“ eine eingeschränkte Wirkung haben. Positive Vorstellungen generieren positive Befindlichkeiten als „Gegengewicht“ zu den negativen Bildern und Gedanken und verstärken daher positive neuronale Netzwerke.
Trauma-Gedächtnis: Traumatische Erlebnisse sind im implizitem Gedächtnis vernetzt und dem kortikal gesteuerten Denken (Logik, Vernunft) nicht zugänglich. Imaginationen erreichen sowohl das explizite als auch da implizite Gedächtnis.
EMDR wurde Ende der 1980er Jahre erstmals von der amerik. Psychologin Francine Shapiro vorgestellt. Shapiro ging davon aus, dass dysfunktionale gespeicherte Erfahrungen oder Erinnerungen Ursachen von Störungen im Hier und Jetzt werden. Werden solche Erinnerungen jedoch auf allen verschiedenen Erlebnisebenen integriert, führt dies zur Reduktion der zugehörigen wahrgenommenen Belastungen. Dieser Prozess kann durch die EMDR-Behandlung maßgeblich initiiert und unterstützt werden.
Dieser Mechanismus scheint dem Geschehen im sogenannten REM-Schlaf (Rapid Eye Movement) zu entsprechen, einer Schlafphase, in der jede Nacht autonom sehr schnelle sakkadische Augenbewegungen erfolgen. Man geht davon aus, dass dadurch ein „mentales Vertrauen“ der kleineren Sorgen und Probleme des Alltags in der (Traum-) Schlafphase autonom stattfindet ohne, dass wir bewusst Kontrolle darüber ausüben können.
Über den Einsatz bei PTBS hinaus hat sich EMDR auch bei Problemen wie z.B. Ängsten, Depressionen, Zwängen, (psycho)somatischen Erkrankungen, chronischen Schmerzen, Sucht und Abhängigkeiten als wirksam erwiesen.
Die klinische Wirkung der Methode ist inzwischen seit einigen Jahren in vielen randomisierten kontrollierten Studien für die klassische Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) und für einige Komorbiditäten nachgewiesen. Im Jahr 2013 erfolgte eine offizielle Anerkennung von EMDR durch die WHO und 2014 die Anerkennung in Deutschland als Richtlinientherapie bei PTBS.
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